Achtsamkeit

 

 

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Wobei "gegenwärtiger Moment" das meint, was gerade jetzt und hier ist. Nicht was wir uns gerade jetzt und hier ausdenken.

Allzuoft sind wir in Gedanken, Phantasien oder Emotionen verstrickt. Ein Mensch spricht mit uns - und wir denken längst an etwas anderes oder formulieren, statt zuzuhören, schon unsere Antwort. Wir setzen uns ins Auto und fragen uns am Ziel der Fahrt, wie wir es geschafft haben, völlig abgelenkt hierher zu fahren. Etwas Anregendes oder Verletzendes geschieht und wir kauen innerlich den ganzen Tag darauf herum, wissen nicht, durch welches Wetter wir gerade galaufen sind oder wie uns das Essen von eben geschmeckt hat.

 

Ein solches Verhalten birgt große Nachteile: Wir sind unachtsam, verbrennen uns beim Kochen, klemmen uns die Finger in der Tür oder vergessen unsere Schlüssel. Wir verletzen andere durch unser Desinteresse oder verpassen wichtige Informationen. Die schnelle Abfolge der auf uns einstürmenden Reize lässt uns die Fülle und den Wert des einzelnen Moments nicht mehr erkennen. Das führt auch dazu, dass wir die "Realität" schnell für fad halten und uns langweilen. Die Langeweile führt uns zu schnellen Ablenkungen - das Rad dreht sich weiter und wir werden Profis in der Vermeidung von Achtsamkeit. manchmal geht das soweit, dass wir unser erfundenes Kopfkino für realer halten als die Wirklichkeit "da draußen".

 

Die Tiefe und Fülle des Moments

 

Manchmal muss erst etwas sehr heftiges Geschehen, um uns zurück ins Hier und Jetzt zu holen. Wenn wir Zeuge eines Unfalls werden, wenn etwas Katastrophales um uns herum geschieht, wir nachts aus einem brennenden Haus laufen müssen, wenn wir oder ein von uns geliebter Mensch plötzlich erkrankt oder stirbt. Dann bleibt die Zeit erst einmal stehen und unsere Wahrnehmung dehnt sich ungeheuer aus. Aber auch der Anblick eines Sonnenaufgangs, der Gesang eines einzelnen Vogels in einer winterlichen Straße oder das Heulen und Toben eines wilden Herbststurms kann uns ganz und gar zum Stillstand bringen, uns öffnen für den Moment.

 

Diesen Zustand der Wachheit und Intensität gilt es zu erreichen. Er wartet auch in den unspektakulärsten Momenten auf diejenigen, die sich wirklich einlassen können. Als Kinder konnten wir das noch. Wir haben diese Fähigkeit nicht verloren. Aber sie ist verborgen, verschüttet, begraben unter dem Müll trivialer Ablenkungen.

 

Alles auf Anfang

 

Was bringt mir Achtsamkeit? Neben der prallen Fülle eines gegenwärtigen Lebens ist Achtsamkeit DAS Mittel, um vom permanent erhöhten Stresslevel wieder herunterzukommen. Ja, auch Sport kann das, andere Freizeitbeschäftigung können das auch. Aber wenn wir genau hinschauen, dann ist es auch hierbei die Achtsamkeit, das Sein im Moment, dass uns zuerst in die Fokussierung, dann in die Freude und in die Entspannung bringt. Egal, was wir denken, sprechen, tun: Es ist die Achtsamkeit, die uns in jedem Moment auf Anfang bringt, frisch, wach und offen für alles, was sich zeigen mag. Ohne den Ballast all unserer Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen. Und ohne unsere willentliche Ignoranz, die uns allzuviel und vorschnell als "uninteressant" oder "langweilig" abstempeln lässt.

 

Aber was bringt uns wieder dorthin? Was bringt uns wieder und wieder auf Anfang? Wie werden wir achtsam, wie können wir Achtsamkeit immer öfter in unser Leben einladen? Indem wir wie früher, als Kind, das so Selbstverständliche wieder entdecken. Das müssen wir üben: Wir brauchen ein Achtsamkeitstraining.

 

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