Stress

Stressig kann alles sein - oder nichts

 

Das Phänomen "Stress" ist gar nicht so leicht zu greifen, es scheint nicht für jede und jeden im gleichen Vorgang zu stecken. Was den einen Menschen stresst, ihm also auf unangenehme Weise unter Druck setzt, kann für den anderen belebend oder motivierend sein. Das gilt genauso für den morgendlichen Fahrradslalom durch den Stadtverkehr wie für das Halten eines Vortrags vor Publikum, das Abarbeiten eines übervollen Mailaccounts, den Einstieg in ein Segelflugzeug oder den Besuch bei den künftigen Schwiegereltern.

 

Auch wenn wir manchmal zu dieser Auffassung neigen: Stress ist keine moderne Erfindung. Stress gibt es nicht erst seit der Industrialisierung. Allerdings hat sich die Bedeutung des Wortes im Laufe der Zeit verschoben und ist heute recht diffus: Heute bezeichnen wir alles mögliche Unangenehme mit diesem Begriff. Gedanken, Kommunikation und Handlungen können Stress für uns bedeuten. Aber um Stress wirklich zu verstehen, müssen wir zu seinen Wurzeln gehen.

 

Wie Stress funkioniert

 

Stress ist ursprünglich ein Bündel von Reaktionen und nachfolgenden Abläufen unseres Organismus' auf eine als "Gefahr" eingestufte Situation. Im Wesentlichen wird eine Hormonkaskade in Gang gesetzt, die uns blitzschnell hellwach werden lässt, um schnell und angemessen handeln zu können. Flucht oder Kampf sind dabei die Alternativen, die uns zur Verfügung standen: Seit Urzeiten dient Stress dazu, Gefahren zu meistern, Überlebensvorteile zu erlangen oder Fortpflanzungsvorteile zu erkämpfen.

 

Der Ablauf ist körperlich vorgegeben: Zuerst werden wir schnell, bereit und fähig zu Kampf oder Flucht. Hierfür sind hauptsächlich Adrenalin und Noradrenalin zuständig. Dann wird dieses hohe Energielevel durch weitere Hormonzufuhr über einen längeren Zeitraum gehalten - durch Cortisol, das auch Schmerzen und Entzündungsprozesse unterdrückt. Ist die Gefahrensituation vorbei, setzt eine allmähliche Beruhigung ein, bis wieder ein entspanntes Niveau erreicht ist.

 

Diese Reaktionsmuster sind tief in uns eingeschrieben. Auch heute noch gilt: Wird eine Stressreaktion ausgelöst, dann können wir ihren Verlauf nicht stoppen. Sie läuft automatisch ab, egal ob ein Autofahrer uns die Vorfahrt nimmt, nachts Schritte in unserem Rücken hallen oder der Vorgesetzte plötzlich ins Büro stürmt. Doch im Unterschied zu den vergangenen Jahrtausenden unserer Evolution sind wir heute, obwohl wir objektiv nicht mehr so gefährdet sind wie früher, einer vielfach höheren Anzahl an potentiell Stress auslösenden Faktoren ausgesetzt. Verkehr, Arbeit, Familie, enge Zweierbeziehungen, Freizeit(-Stress), die Kommunikationsdichte allgemein: Zu viele Reize lassen unser Stresslevel nicht mehr auf Normalnull sinken.

 

Wenn Stress chronisch wird

 

Unser Körper versteht das nicht: Bleibt das Erregungsniveau hoch, nimmt unser Organismus an, dies sei schon die Entspannung. Wir haben das Gefühl, alles sei in Ordnung, doch irgendwie sind wir unruhig, müde, gereizt, können nicht oder schlecht schlafen. Und dies gilt auch für Stressauslöser, die wir subjektiv als angenehm oder erwünscht empfinden. Dem Körper ist es egal - die hormonelle Reaktion bleibt die Gleiche.

 

So bleibt der Cortisolspiegel in unserem Blut konstant erhöht. Dieser chronische Stress schwächt allgemein die Immunabwehr. Irgendwann bricht durch die Überbelastung der nebennieren die Cortisolproduktion zusammen und die kann zu vermehrten Entzündungsprozessen, chronischen Erkrankungen und in die völlige Erschöpfung (Burn Out) führen.

 

 

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